Der naturnahe Gartenbau hat sein eigenes Vokabular, und das schreckt Anfänger oft ab: Man liest „BRF“, „allogam“, „Verschlämmung“ oder „Hügelkultur“, ohne dass erklärt wird, worum es geht. Diese Wörter sind jedoch kein unnötiger Fachjargon: Jeder Begriff bezeichnet eine konkrete Realität, die im Garten etwas verändert.
Hier sind fünfzig nach Bereichen geordnete Begriffe aufgeführt, jeweils mit ihrer Definition und vor allem mit dem, was sie konkret bedeuten.
Der Boden und sein Leben
- Textur — der Anteil von Sand, Schluff und Ton in einem Boden. Sie lässt sich praktisch nicht verändern: Man muss mit ihr arbeiten.
- Struktur — die Art und Weise, wie sich diese Teilchen zu Krümeln verbinden. Anders als die Textur hängt sie vollständig von Ihren Bewirtschaftungsmethoden ab.
- Bodenaggregat — ein Erdkrümel, der durch die Ausscheidungen des Bodenlebens zusammengeklebt wird. Sein Vorhandensein ist der beste Indikator für einen gesunden Boden.
- Verschlämmung — Bildung einer wasserundurchlässigen Kruste an der Oberfläche durch den Aufprall von Regentropfen. Eine Plage für schluffige Böden; der einzige Schutz besteht darin, den Boden nie unbedeckt zu lassen.
- Pflugsohle — verdichtete Schicht direkt unterhalb der Arbeitstiefe einer Motorhacke. Wasser und Wurzeln können sie nicht mehr durchdringen.
- Abgetrocknet — bezeichnet einen Boden, der überschüssiges Wasser verloren hat und bearbeitet werden kann, ohne zu verdichten. Test: Eine zusammengedrückte Handvoll gibt kein Wasser ab und zerkrümelt beim Öffnen der Hand.
- Humus — der stabile Anteil der organischen Substanz, das Endergebnis der Zersetzung. Er hält Wasser und Nährstoffe wie ein Schwamm.
- Mineralisierung — Umwandlung organischer Substanz durch Mikroorganismen in von Pflanzen aufnehmbare Nährstoffe.
- Rhizosphäre — die wenigen Millimeter Boden rund um die Wurzeln, in denen das mikrobielle Leben am dichtesten ist.
- Wurzelausscheidungen — Zucker und Säuren, die von den Wurzeln freigesetzt werden, um diese Lebensgemeinschaft zu ernähren. Die Pflanze kultiviert buchstäblich ihr Mikrobiom.
- Mykorrhiza — Symbiose zwischen einem Pilz und den Wurzeln einer Pflanze: Zucker gegen Wasser und Mineralstoffe. Sie wird durch tiefes Bodenbearbeiten zerstört.
- Myzel — das Netz aus Fäden, das den Körper eines Pilzes bildet. Das, was man „Pilz“ nennt, ist nur dessen Fruchtkörper.
- Wurzelknöllchen — kleine Knöllchen an den Wurzeln von Hülsenfrüchtlern, in denen stickstoffbindende Bakterien leben.
- Wurmkot — Ausscheidung eines Regenwurms, deutlich nährstoffreicher als die umgebende Erde.
- C/N-Verhältnis — Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff in einem Material. Es bestimmt die Zersetzungsgeschwindigkeit und erklärt die meisten misslungenen Komposte.
- Stickstoffhunger — vorübergehende Bindung des Bodenstickstoffs durch Mikroorganismen, die zu kohlenstoffreiches Material zersetzen. Symptom: blasses Laub, Wachstumsstillstand.
- Bodenverbesserungsmittel — Zugabe, die die Bodenstruktur verbessert (Kompost, Mist). Zu unterscheiden vom Dünger, der direkt aufnehmbare Nährstoffe liefert.
- Bioindikatorpflanze — spontan wachsende Pflanze, deren vorherrschendes Auftreten Aufschluss über den Zustand des Bodens gibt: Brennnessel für Stickstoff, Schachtelhalm für Staunässe, Wegerich für Bodenverdichtung.
Diese Begriffe werden in Die Grundlagen des lebendigen Bodens und Die verschiedenen Bodentypen ausführlicher erläutert.
Das Saatgut
- Stabile Sorte (oder Populationssorte) — stabile Sorte, deren Samen wieder dieselbe Pflanze hervorbringen. Das ermöglicht die eigene Weitervermehrung.
- F1-Hybride — erste Generation aus der Kreuzung zweier reiner Linien. Wuchskräftig und einheitlich, aber nicht sortenecht weitervermehrbar.
- Aufspaltung — zufällige Neuverteilung der Merkmale in der zweiten Generation (F2). Dadurch sind F1-Samen beim Wiederaussäen unvorhersehbar.
- Selbstbefruchter — Art, die sich selbst befruchtet: Tomate, Bohne, Erbse, Salat. Zufällige Kreuzungen sind selten, daher ist die Samenernte einfach.
- Fremdbefruchter — Art mit obligatorischer Kreuzbefruchtung: Kürbisgewächse, Kohl, Möhren. Erfordert eine ausreichende Anzahl an Pflanzen und eine Sortentrennung.
- Samenträger — die Pflanze oder Pflanzen, die bewusst zur Samenbildung stehen gelassen werden. Ihre Auswahl bestimmt die Qualität der künftigen Ernten.
- Hofeigenes Saatgut — Saatgut, das vom Erzeuger selbst vermehrt und häufig lokal ausgewählt wurde.
- Stratifizierung — notwendige Kältephase, um die Keimruhe bestimmter Samen, insbesondere von Bäumen und Stauden, zu beenden.
- Scarifizierung — gezieltes Aufrauen der Samenschale eines harten Samens, damit Wasser eindringen kann.
- Samenschale — die schützende Hülle des Samens.
- Keimblätter — die ersten, rundlichen Blätter, die aus dem Samen selbst hervorgehen. Die folgenden sind die „echten Blätter“; in diesem Stadium werden die Pflanzen pikiert.
- Vergeilung — ungewöhnliche Verlängerung der Stängel durch Lichtmangel. Der klassische Fehler bei zu früh ausgesäten Jungpflanzen.
- Abhärtung — schrittweise Gewöhnung der Pflanzen an das Freiland vor dem endgültigen Auspflanzen.
- Vernalisation — Kältebedarf bestimmter zweijähriger Pflanzen, der im folgenden Jahr die Blüte auslöst.
- Umfallkrankheit — Pilzkrankheit, bei der die Keimlinge am Wurzelhals zusammenbrechen. Begünstigt durch ein kaltes und durchnässtes Substrat.
Siehe Was ist der Unterschied zwischen F1-Saatgut, Hybridsaatgut und samenfestem Saatgut? und Wie bewahrt man Saatgut auf?.
Die Techniken
- Mulchen (oder Mulch) — Organische Bodenabdeckung. Sie verringert die Verdunstung, begrenzt Beikräuter und nährt durch ihre Zersetzung das Bodenleben.
- BRF — Fragmentiertes Zweigholz: Häckselgut aus jungen Zweigen von Laubbäumen. An der Oberfläche hervorragend geeignet, verursacht bei der Einarbeitung jedoch eine Stickstoffzehrung.
- Abdeckung — Undurchsichtige Abdeckung (Plane, Karton), um die Vegetation ohne Herbizide zu ersticken.
- Grelinette — Grabegabel mit Zinken und zwei Griffen, die den Boden lockert, ohne die Schichten zu wenden.
- Hügelbeet — Erhöhtes Beet, oft mit einem Holzkern. Es entwässert und erwärmt sich; es gibt auch eine eingegrabene Variante, die dagegen Wasser speichert.
- Hügelkultur — Deutscher Begriff für einen Hügel mit einem Kern aus Holz.
- Lasagnebeet — Beet aus abwechselnden Schichten braunen und grünen Materials, ohne Holz.
- Gründüngung — Pflanze, die für den Boden und nicht für die Ernte ausgesät wird: Sie bedeckt und strukturiert ihn, bindet Stickstoff oder fängt Nitrate ab.
- Nitratfangkultur — Begrünung, die löslichen Stickstoff aufnimmt, bevor er durch Regen ausgewaschen wird.
- Fruchtfolge — Wechsel der Pflanzenfamilien von Jahr zu Jahr auf demselben Beet.
- Zwischenkultur — Kurzzeitige Kultur zwischen zwei Hauptkulturen.
- Staffelaussaat — Zeitlich versetzte Aussaat derselben Art, um die Ernte zu verteilen.
- Vereinzeln — Entfernen überschüssiger Keimlinge, damit die übrigen mehr Platz haben.
- Pikieren — Umpflanzen eines jungen Setzlings aus einem Behälter in einen anderen oder ins Freiland.
- Geiztrieb — Trieb, der aus der Blattachsel wächst, insbesondere bei Tomaten.
- Worfeln — Trennung der Samen von ihren Rückständen durch einen Luftstrom.
- Pasteurisierung — Mäßige Erwärmung eines Substrats, um konkurrierende Organismen abzutöten, ohne es vollständig zu sterilisieren.
Die Biodiversität
- Nützling — Organismus, der Schaderreger reguliert: Marienkäfer, Schwebfliege, Florfliege, Laufkäfer, Igel. Die erwachsenen Tiere ernähren sich häufig von Nektar, daher sind Blüten notwendig.
- Schaderreger — Organismus, der Kulturpflanzen frisst. Der Begriff ist relativ: Ein massenhaftes Auftreten von Schaderregern weist vor allem auf einen Mangel an Regulatoren hin.
- Beikraut — Spontan auftretende, an einem bestimmten Ort unerwünschte Pflanze. Der Begriff „Unkraut“ hat keine botanische Bedeutung.
- Begleitpflanze — Pflanze, die zusammen mit einer Kultur angebaut wird, um sie zu schützen oder ihr Wachstum zu fördern.
- Fangpflanze — Art, die attraktiver ist als die zu schützende Kultur und bewusst geopfert wird. Kapuzinerkresse gegen Blattläuse.
- Allelopathie — Abgabe von Stoffen durch eine Pflanze, die das Wachstum anderer Pflanzen hemmen. Nachgewiesener Fall: der Walnussbaum und sein Juglon.
- Bienenweide — Pflanze, die große Mengen an Nektar und Pollen produziert und Bestäuber sowie Nützlinge anzieht.
- Kreuzbestäubung – Befruchtung durch den Pollen eines anderen Individuums. Das muss man beherrschen, wenn man eigenes Saatgut gewinnt.
Siehe Die besten Gemüse-Mischkulturen im Gemüsegarten.
Die permakulturelle Gestaltung
- Design – Die Gesamtkonzeption eines Ortes vor jeder Umsetzung. Es ist das Herzstück der Permakultur, wird aber oft fälschlicherweise auf Techniken reduziert.
- Zonierung – Organisation des Raums nach der Häufigkeit der Nutzung: Was Aufmerksamkeit erfordert, kommt möglichst nah.
- Vegetationsschicht – Eine Ebene der Vegetation. Ein geschichtetes System nutzt auf derselben Fläche mehrere Raumebenen.
- Randeffekt – Der Übergangsbereich zwischen zwei Lebensräumen ist artenreicher und produktiver als jeder der beiden allein. Daher sind geschwungene Konturen sinnvoll.
- Waldgarten – Ein essbares System, das die geschichtete Struktur eines Waldes nachahmt, mit Pilzen und mehrjährigen Pflanzen als vorherrschenden Elementen.
- Mikroklima – Örtliche Bedingungen, die sich vom allgemeinen Klima unterscheiden: eine nach Süden ausgerichtete Mauer, eine frostgefährdete Senke, der Schutz einer Hecke.
- Wärmespeicher – Ein Element, das Wärme speichert und wieder abgibt: eine Mauer, ein Stein, eine Wasserfläche.
- Geschlossener Kreislauf – Ein Kreislauf, bei dem der Output eines Elements zum Input eines anderen wird. Küchenabfälle werden zu Kompost, der wiederum zur Ernte wird.
Siehe Die Grundlagen der Permakultur und Planung nach Zonen und Ausrichtung.
Fünf häufige Verwechslungen
- Bodenverbesserer und Dünger – Der eine verbessert den Boden langfristig, der andere versorgt die Pflanze unmittelbar. Kompost ist ein Bodenverbesserer, kein Dünger.
- Hybride und F1 – Alle F1 sind Hybride, aber Hybridisierung kommt natürlich vor und ist völlig unproblematisch.
- Textur und Struktur – Erstere lässt sich nicht verändern, Letztere hängt vollständig von Ihnen ab.
- Permakultur und ökologischer Landbau – hier eine Gestaltungsmethode, dort ein gesetzlich geregeltes Regelwerk.
- Pilz und Myzel – Was wir ernten, ist nur das Fortpflanzungsorgan; der Organismus lebt im Substrat.
Das Wichtigste
Dieses Vokabular ist keine Hürde, die man vor dem Gärtnern überwinden muss: Es entwickelt sich beim Gärtnern. Merken Sie sich zunächst die wenigen Begriffe, die eine Anbaumethode verändern – Struktur, Mulchen, Fruchtfolge, Selbstbestäuber, Stickstoffmangel – und der Rest ergibt sich von selbst.
Für alle, die tiefer einsteigen möchten
- Wie legt man einen Permakultur-Gemüsegarten an? Der vollständige Leitfaden
- Welche Ausstattung sollte man für den Einstieg in einen naturnahen Gemüsegarten wählen?
- Der Aussaatkalender Monat für Monat
- Kompostieren: Den Boden nähren, indem man die Natur nachahmt
Vom Wissen zur Praxis: unser Gemüsesaatgut und unsere Einsteiger-Sets.




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