Ein Gründünger ist keine Pflanze, die man erntet, sondern eine Pflanze, die man für den Boden sät und ihm anschließend zurückgibt. Zwischen zwei Kulturen schützt er auf einem Beet, das sonst brachliegen würde, die Oberfläche, fördert das Bodenleben, strukturiert den Boden in der Tiefe und hält die Nährstoffe zurück, die sonst mit dem Regen verloren gingen.
Das ist wahrscheinlich die Maßnahme mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Nutzen im gesamten Gemüsegarten. Allerdings muss man für den jeweiligen Zweck die richtige Art auswählen – sie bewirken keineswegs dasselbe.
Was ein Gründünger tatsächlich leistet
Vier unterschiedliche Wirkungen, die keine Art alle vereint. Deshalb lautet die Frage nie „Welcher Gründünger ist der beste?“, sondern „Was möchte ich verbessern?“
Nährstoffe zurückhalten (der am wenigsten bekannte und unmittelbarste Effekt)
Ein kahler Boden verliert mit jedem Regen Stickstoff: Die sehr löslichen Nitrate werden aus dem Wurzelbereich ausgewaschen. Eine Pflanzendecke fängt sie auf und speichert sie in ihrem Gewebe. Man spricht von einer Nitrat-Fangpflanze. Wenn der Gründünger beseitigt wird, wird dieser Stickstoff an der Oberfläche wieder verfügbar – genau dort, wo die Folgekultur ihn benötigt.
Kreuzblütler – Senf und Raps – sind in dieser Hinsicht dank ihres schnellen Wachstums im Spätherbst am wirksamsten.
Luftstickstoff binden
Das ist typisch für Hülsenfrüchtler: Klee, Luzerne, Ackerbohne und Bockshornklee. In ihren Wurzelknöllchen beherbergen sie Bakterien der Gattung Rhizobium, die Luftstickstoff in eine für Pflanzen aufnehmbare Form umwandeln können.
Wichtig ist die Nuance: Dieser Stickstoff kommt zunächst der Pflanze selbst zugute. Er reichert den Boden erst nach der Zersetzung an. Daher gilt: Mähen Sie den oberirdischen Teil ab und lassen Sie die Wurzeln immer im Boden – dort liegt der wesentliche Nutzen.
Den Boden in der Tiefe strukturieren
Bestimmte Wurzeln durchdringen verdichtete Schichten, wo kein Werkzeug hinkommt, ohne die Bodenstruktur zu zerstören. Luzerne wächst über einen Meter tief, Raps und Futterrettich treiben vertikale Gänge, die später von Regenwürmern genutzt werden. Man spricht bisweilen von „biologischem Pflügen“ – und das Bild passt.
Nähren und bedecken
Die gebildete Biomasse bleibt zunächst an der Oberfläche, wird zu Mulch und anschließend zu Humus. Während des Wachstums erstickt die dichte Pflanzendecke Unkräuter und schützt den Boden vor Verschlämmung – besonders wichtig auf schluffigen Böden.
Die richtige Art auswählen
Phazelie — die Vielseitige
Sehr schnelles Wachstum (6 bis 8 Wochen), spektakuläre, bienenfreundliche Blüte und ein feines Wurzelsystem, das die Oberflächenstruktur verbessert. Ihr großer Vorteil: Sie gehört zu keiner im Gemüsegarten angebauten Pflanzenfamilie und lässt sich daher ohne das Risiko gemeinsamer Krankheiten in jede Fruchtfolge integrieren. Von März bis September aussäen.
Wenn Sie nur eine Art anbauen sollten, dann diese.
Weißer Senf — die schnelle Lösung
Keimt innerhalb weniger Tage und bedeckt den Boden innerhalb eines Monats. Ein hervorragender Nitratfänger; sie erfriert bei etwa -5 °C und wird dadurch im Winter kostenlos beseitigt.
Die wichtige Einschränkung: Es handelt sich um ein Kreuzblütlergewächs wie Kohl, Radieschen, Rüben und Rucola. Niemals vor oder nach diesen Kulturen anbauen — sonst fördern Sie die Kohlhernie. Schwarzer Senf und Raps unterliegen derselben Einschränkung.
Weißklee — die dauerhafte Bodenbedeckung
Langsames, aber dichtes und dauerhaftes Wachstum. Er verträgt Trittbelastung und eignet sich daher hervorragend als Wegbegrünung zwischen den Beeten oder als dauerhafte Begrünung unter Obstbäumen. Stickstoffbindend und sehr bienenfreundlich.
Rotklee und Luzerne — zur Regeneration
Diese Arten eignen sich für eine erschöpfte oder verdichtete Parzelle. Tiefreichende Wurzeln, hohe Biomasseproduktion und starke Stickstoffbindung. Ihr Prinzip ist mehrjährig: Man lässt sie eine oder zwei vollständige Saisons stehen. Sie eignen sich nur für Flächen, die vorübergehend aus der Produktion genommen werden können.
Bockshornklee — die Sommerleguminose
Kurzer Zyklus, stickstoffbindend und vielseitig verwendbar: Die Samen werden in der Küche verwendet, und die jungen Triebe werden als Salat gegessen. Eine gute Lösung für eine kurze sommerliche Zwischenfrucht.
Übersichtstabelle
| Ziel | Art | Aussaatzeit |
|---|---|---|
| Eine freie Fläche schnell bedecken | Senf, Phacelia | März bis September |
| Stickstoff zuführen | Klee, Luzerne, Bockshornklee | Frühling oder Spätsommer |
| Tiefgründig lockern | Luzerne, Raps | Frühjahr oder Herbst |
| Den Boden den ganzen Winter über schützen | Weißklee, Raps | September bis Oktober |
| Bestäuber anlocken | Phacelia, Kleearten | Frühjahr bis Sommer |
| Eine ausgelaugte Fläche regenerieren | Luzerne, Rotklee | Frühjahr, für 1 bis 2 Jahre |
Säen: einfach, aber zwei Details sind wichtig
- Oberflächlich vorbereiten — die Oberfläche auf 2 bis 3 cm aufrauen genügt. Umgraben ist nicht nötig.
- Dicht breitwürfig säen. Das ist der entscheidende Punkt: Eine zu dünne Aussaat lässt Unkräutern Raum und verfehlt ihr Ziel als Bodenbedeckung. Rechnen Sie mit etwa 2 g/m² für Phacelia oder Senf und 3 g/m² für Kleearten.
- Nur sehr leicht einarbeiten — einmal mit dem Rechen oder der Walze darübergehen. Kleine Samen sollten nicht tiefer als einen Zentimeter bedeckt werden.
- Gießen, wenn der Boden trocken ist, bis die Keimlinge auflaufen. Eine Sommersaat auf trockenem Boden geht nicht auf.
Die im Frühjahr aussähbaren Arten finden Sie unter Frühjahrsaussaat, die für das Saisonende unter Herbstaussaat.
Zum richtigen Zeitpunkt beseitigen — der entscheidende Schritt
Hier liegt der gesamte Nutzen — und hier macht man die meisten Fehler.
Wann
Zu Beginn der Blüte, niemals danach. Dafür gibt es zwei Gründe: Danach bildet die Pflanze Samen, und Sie säen sie im folgenden Jahr ungewollt erneut aus; vor allem aber verholzen ihre Gewebe. Eine junge, zarte und stickstoffreiche Pflanze zersetzt sich innerhalb weniger Wochen; eine ältere, kohlenstoffreiche Pflanze braucht Monate und verursacht vorübergehend einen Stickstoffmangel.
Eine kleine Ausnahme: Wenn Ihr Hauptziel Mulch oder Biomasse ist, lassen Sie die Pflanzen etwas länger blühen — schneiden Sie sie jedoch, bevor sich Samen bilden.
Wie
- Oberflächliches Mähen — die Methode der Permakultur: bodennah schneiden und als Mulch liegen lassen. Die Wurzeln zersetzen sich von selbst, die Bodenstruktur bleibt intakt.
- Oberflächliches Einarbeiten — die Rückstände in die obersten 5 Zentimeter einarbeiten. Schnellere Zersetzung, aber stärkere Bodenstörung.
- Abdecken — 2 bis 3 Wochen mit einer lichtundurchlässigen Plane abdecken. Wirksam bei hartnäckigen mehrjährigen Arten wie Luzerne.
- Frost — Senf und Phacelia erfrieren, wodurch sie in kalten Regionen die Arbeit kostenlos erledigen.
Wie lange sollte man vor der Aussaat warten?
Rechnen Sie mit 2 bis 3 Wochen bei jung gemähtem, zartem Pflanzenmaterial und mit 4 bis 6 Wochen, wenn es bereits faserig war. Eine zu frühe Aussaat nach einer großen Biomassemenge führt zu einem ungleichmäßigen Auflaufen.
Die fünf klassischen Fehler
- Zu dünn säen. Die Gründüngung muss die Konkurrenz unterdrücken: Lieber zu dicht als zu locker säen.
- Zur Samenbildung gelangen lassen. So machen Sie aus Ihrer Gründüngung für drei Jahre ein Unkraut.
- Senf vor Kohl pflanzen. Gleiche Familie, gleiche Krankheiten. Ein sehr häufiger Fehler.
- Tief einarbeiten. In der Tiefe vergrabene Biomasse fermentiert, statt sich zu zersetzen.
- Nur eine einzige Art säen. Eine Mischung aus Gras und Leguminose (zum Beispiel Hafer und Klee) verbindet Bodenstrukturierung und Stickstofffixierung und hat ein natürlich ausgewogenes C/N-Verhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Kann man Gründüngung zwischen zwei Reihen Gemüse säen?
Ja – das ist die begleitende Begrünung. Ein niedrig wachsender Klee, der zwischen Reihen mit bereits gut etablierten Kohl- oder Tomatenpflanzen gesät wird, bedeckt den Boden, ohne zu konkurrieren. Säen Sie ihn erst, wenn die Hauptkultur gut entwickelt ist, niemals gleichzeitig.
Muss man wirklich warten, bevor man wieder pflanzt?
Ja, außer wenn Sie die Pflanzen lediglich gemäht und oberflächlich gemulcht haben, ohne etwas einzuarbeiten: In diesem Fall können Sie fast sofort Setzlinge pflanzen (nicht säen), indem Sie den Mulch an der Stelle jedes Setzlings beiseiteschieben.
Ersetzt Gründüngung den Kompost?
Nein, sie ergänzen sich. Der Kompost liefert bereits stabilisiertes organisches Material; die Gründüngung liefert frische Biomasse, die das Bodenleben nährt und den Boden mit ihren Wurzeln bearbeitet.
Ist das in einem kleinen Gemüsegarten oder im Pflanzkasten sinnvoll?
Ja, auch im Pflanzkasten. Eine Handvoll Phacelia oder Senf zwischen zwei Kulturen im Topf nutzt das Substrat, begrenzt seine Erschöpfung und verhindert, dass es sich verdichtet. Siehe Gemüsegarten auf dem Balkon.
Das Wichtigste
Säen Sie dicht, zerstören Sie die Pflanzen zu Beginn der Blüte und lassen Sie die Wurzeln immer im Boden. Wählen Sie die Art danach aus, was Sie erreichen möchten: Phacelia für Vielseitigkeit, Senf für schnelle Ergebnisse, Klee und Luzerne für Stickstoff und Bodenregeneration.
Für weitere Informationen
- Die Grundlagen eines lebendigen Bodens
- Kompostieren: Den Boden nähren, indem man die Natur nachahmt
- Wie legt man einen Permakultur-Gemüsegarten an?
- Der Aussaatkalender Monat für Monat
Entdecken Sie unsere Kollektion Gründüngungssamen – Phacelia, Senf, Klee, Luzerne, Raps und Bockshornklee, alle samenfest.




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